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... Lassen wir einander nicht allein ...

Trauerrede von DFV-Vizepräsident Behrendt in Wolmirstedt

08.07.2006, Wolmirstedt

Für vier bei einem Unfall im Einsatzdienst ums Leben gekommene Feuerwehrleute aus Wolmirstedt (Sachsen-Anhalt) fand am Sonnabend eine zentrale Trauerfeier statt.

Ulrich Behrendt, Vizepräsident des Deutschen Feuerwehrverbandes, sagte als Trauerredner:

"Liebe Angehörige und Freunde, liebe Bürgerinnen und Bürger, liebe Feuerwehrkameradinnen und -kameraden,

in dieser Stunde gedenken wir der Opfer des schrecklichen Unfalls vom 19. Juni. Fast drei Wochen sind vergangen, aber das Entsetzen hat uns nicht verlassen. Wir trauern um:

Patrick Büldge

Michel Herrmann

Christian Rademacher

Mario Tafelski

In Familien, in Freundschaften, in Nachbarschaften, in der ganzen Region hat der Tod eine furchtbare Spur gezogen und tiefen Schmerz gebracht.

Sie sind in Ihrer Trauer nicht allein. Die Kondolenzlisten sind Zeugnis dafür, dass die Nachricht in ganz Deutschland und in vielen Teilen der Welt Entsetzen, Trauer und Mitgefühl ausgelöst hat.

Feuerwehrleute und Rettungsdienstkräfte aus unseren Nachbarländern, aber auch aus Kanada und den Vereinigten Staaten bekunden Trauer, Mitgefühl und Ratlosigkeit.

Wir alle sind ratlos. Wir haben nicht für möglich gehalten, dass so etwas geschieht. Wir sollten aber nicht versuchen, unsere Ratlosigkeit zu überspielen mit scheinbar naheliegenden Erklärungen.

Gewiss, wir möchten verstehen. Was hat zu diesem Unfall geführt? Wer hat die Schuld? Wir suchen nach Ursachen und nach Verantwortung. Wir möchten schnell wissen, welche Konsequenzen gezogen werden müssen, damit so etwas nicht wieder geschieht.

All das verstehe ich gut. An erster Stelle aber stehen heute die Trauer um die Opfer und das Mitgefühl für alle, die so plötzlich einen nahen Menschen verloren haben.

Wir nehmen Abschied von jungen Menschen, die ihr Bestes gegeben haben. Sie sind aus der Mitte des Lebens gerissen worden. Sie hinterlassen Eltern und Geschwister, Lebenspartner und Freunde. Sie alle hatten Ziele und Träume, die sie verwirklichen wollten.

Wir trauern um die Feuerwehrleute und Kameraden, die noch am Anfang ihrer Laufbahn standen und die sich auf Übungen und Einsätze gefreut haben. Wir trauern mit ihren Kameraden, die einen so plötzlichen und schrecklichen Verlust erlitten haben.

Wir denken an die verletzte Kameradin und die verletzten Kameraden, an ihr Leid, ihren Schmerz, und wir hoffen, dass sie wieder ganz gesund werden.

Meine Gedanken gehen auch zu der am Unfall beteiligten Fahrerin. Auch ihr die besten Wünsche und Gedanken, dass sie bald wieder gesund wird und die Folgen des Unfalls überwindet.

Opfer des furchtbaren Unfalls sind auch all die Rettungsdiensthelfer, Notärzte, Notfallseelsorger und Feuerwehrkameraden, die mit ansehen und erleben mussten, was an diesem Montagabend auf der Kreisstraße 1170 geschehen ist und die dabei direkt als Kameradinnen und Kameraden der Verunglückten betroffen waren.

Ihnen allen schulden wir tiefen Dank. Sie haben trotz dieser besonderen Betroffenheit rasch und umsichtig geholfen. Ich habe mir versichern lassen, dass sie den Einsatz hochprofessionell durchgeführt und den Unfallopfern jede mögliche Hilfe zukommen lassen haben.

Erwähnen möchte ich hier die Freiwilligen Feuerwehren Wolmirstedt, Glindenberg und Farsleben, die Schnelleinsatzgruppe Rettungsdienst, die Kolleginnen und Kollegen des Deutschen Roten Kreuzes und der Rettungsdienste des Landeskreises Ohrekreis, der Stadt Magdeburg und des Landeskreises Stendal. Auch dem Kreisbrandmeister, dem Leitenden Notarzt und den Notärzten, dem Amt für Brand-, Katastrophenschutz und Rettungsdienst sowie den Notfallseelsorgern aus dem Ohrekreis und aus Magdeburg danke ich sehr.

Als beispielhaft empfinde ich die Anteilnahme und Unterstützung durch die Feuerwehren und Hilfsorganisationen, durch die Kreisverwaltung sowie durch den Kreisfeuerwehrverband, den Landesfeuerwehrverband und die Feuerwehr-Unfallkasse. Hier wird Solidarität gelebt und alle menschenmögliche Hilfe aktiviert.

Die ganze Region, ihre Bürgerinnen und Bürger, wir alle werden von der Erinnerung an den 19. Juni noch sehr lange Zeit geprägt sein.

Wo finden wir Trost? Wo finden wir neue Orientierung?

Liebe Kameradinnen, liebe Kameraden,

eine Angehörige Eurer Jugendfeuerwehr hat gesagt, nachdem sie diesen Unfall miterleben musste: „Aufhören? Nein. Feuerwehr, dass ist doch wichtig.“

Sie hat Recht. Darauf kommt es an. Die Menschen in dieser Region werden auch zukünftig Eure Hilfe brauchen.

Unser Zusammenleben funktioniert nur, wenn man sich weiterhin auf die Feuerwehr verlassen kann. Und eine Gemeinschaft wie die Feuerwehr lebt vom zusammenarbeiten, zueinander stehen, aufeinander achten und einander achten. Nur so könnt Ihr lernen, mit dem Ereignis zu leben, das wohl jeden einzelnen in dieser Region erschüttert hat.

Ich wünsche allen, die an diesem Montagabend einen nahen Menschen verloren haben, dass sie Menschen haben oder finden, die sie begleiten, die ihnen zuhören, die ihnen helfen, die nächsten Schritte im Leben zu tun.

Ich wünsche Ihnen allen, dass Sie Quellen des Trostes finden auf den schweren Wegen, die noch vor Ihnen liegen, und dass Sie neue Zuversicht gewinnen können.

Ich darf Ihnen, verehrte Angehörige, Freundinnen und Freunde, Kameradinnen und Kameraden das Mitgefühl des Deutschen Feuerwehrverbandes und dessen Präsidiums über den Tod Ihrer Kinder, Geschwister, Freunde und Kameraden übermitteln und Ihnen versichern, dass wir die Trauer über den Verlust mit Ihnen teilen.

Ich weiß aus eigener, noch sehr frischen Erinnerung, dass einen Worte jetzt nicht erreichen. Aber ich weiß aus dieser Erfahrung, dass sich der bittere Schmerz des Abschiedes von Tag zu Tag mehr in gute, helle und dankbare Erinnerung verwandeln wird.

Lassen Sie uns gemeinsam innehalten in Schmerz und Trauer.

Lassen wir einander nicht allein.

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